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Ich bereite Dir einen Abschied

Wir saßen zu fünft im Auto und die Luft war stickig. Die Fensterscheiben beschlugen, kaum hatten wir die Stadt verlassen. Auf unseren Schößen lagen Tüten mit fünfhundert Kugeln für jeden. Wir hockten auf der Rückbank, aus den Boxen drang Rammstein. Zwischen uns saß Josef, ein russischer Jude, der von Flattpuffs im Süden der Stadt und von den Vorzügen der neuen AK 74 erzählte.

Wir fuhren über die Autobahn Richtung Osten. Der Morgen war kalt mit einer großen runden Sonne darin, die schwächer wurde, je weiter wir kamen, bis da nur noch ein heller Fleck vor grauem Himmel war.

Als wir endlich im Graben lagen, war es beinnah finster über den Baumkronen. Der Atem schlug gegen das Visier, einzelne Kondenstropfen sammelten sich auf dem Plexiglas. Ich klemmte das Gewehr unter den Arm und versuchte es möglichst gerade auf etwas zu halten, was gegenüber lag – ein unbekanntes Stück Wald mit Bäumen darin, Gehölz bis zum Kinn und ab und an schwarze, sich bewegende Punkte dazwischen.

Auf ein verabredetes Zeichen hin sprangen sie plötzlich auf, rannten davon, hinüber ins Feindgebiet. Ich sah ihnen nach, sah die Rückseiten ihrer Tarnanzüge und überlegte zu folgen, doch war ich schon viel zu lange allein. Ich blieb also liegen, lauschte den Schüssen und gab ein paar Salven dazu.

Ich glaube, ich traf ihn sofort. Ich erkannte ihn an der Art, die Arme zu heben. Wie eine von fremden Kräften gezogene Marionette richtete er die Hände empor, und sah sich dabei kurz um. Ich drückte mich nach unten, spürte den Sand zwischen den Zähnen bröseln und biss auf die Körner. Ich habe gezählt: Ich war es. Ich war es nicht. Ich war es. Und das war kein Traum, das war in Polen.

Dann lag der Wald wieder ganz in Ruhe. Ich blickte auf die Bäume und die Zweige und das Ganze und wartete, bis nichts mehr davon zu erkennen war. Dann stand ich auf, spuckte den Rest Sand aus und ging zurück zu den anderen Autos.

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