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    <title>Monseigneur : Kommentare</title>
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    <dc:publisher>Montseigneur</dc:publisher>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
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    <title>Monseigneur</title>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/5135047/">
    <title>Capital letters</title>
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    <description>Ich stand am Waldrand wie am Ende eines Kontinents mit Blick auf Stämme und abstehendem Geäst. Noch immer drang warme Luft aus dem Dickicht und Dunkelheit schlug mir entgegen, obwohl es seit Tagen kühl war und die Felder vom Regen ganz zerzaust. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hätte schreiben können, dass der Dunstschleier endlich gefallen war und die Frische alles aufhellte, doch folgten die Worte dem Fallenden wie die Temperaturen und  das Licht. Nur der Armreif von letzter Nacht fing an zu leuchten plötzlich und ich begann zu singen:  &lt;i&gt;Provinz ist wo ich bin. &lt;/i&gt; (Sissi Tax) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten am Fenster gestanden und den S-Bahnen nachgeblickt, die in der Kurve über die Brückengleise quietschten viel zu schnell, um in den Abteilen Gesichter zu erkennen. Wir schlürften die Getränke leer und lauschten den auf der Straße vorbeiziehenden Musikanten. Doch statt Geld zu werfen, spuckten wir Eiswürfel auf ihre Köpfe, bis die Türsteher kamen und wir uns im Raum verteilen mussten. An den Tanzgästen vorbei huschten wir aufs  Männerklo, griffen dort Tenniskellen ab und schlugen unsere Gegner nach drei Sätzen k.o.  Dennoch erzeugte keine unserer Taten Widerstand, selbst auf dem Rückweg ohne Licht und Bremsen wurden wir weder angehalten noch umgefahren.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-20T14:53:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/5128784/">
    <title>Ruhe ist ein Satz II</title>
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    <description>Erwacht von Trägheit und Ruhe fühlend als ein Sog, der die Objekte immerzu an mir stranden ließ, lag ich und lauschte dem Gleichklang von Innen und Außen, und wie Monotonie Unbelebtheit erzeugen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch glänzten die Straßen von nächtlichem Niederschlag und es hieß, der Regen sei nicht gefallen, sondern gegangen, als setzte das Bezugssystem selbst das Maß an Bewegung fest, das uns gegeben war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war gerannt. Hinter der Wand hatten sie mir aufgelauert, als ich ein letzten Schluck kalten Wassers nahm. Ich schaute mich nicht um, fühlte nur die schmerzenden Organe und dachte, die Schwarzen Hundert schlügen bereits auf mich ein. Denn ich wusste nicht, dass man sich auch an sehr kalten Dingen verbrennen kann.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-17T16:22:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/5117540/">
    <title>Stilles Tun</title>
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    <description>Wir lagen nebeneinander dicht und schliefen weniger, als dass wir die Augen nur schlossen, weil wir wussten, dass Grenzen erst gefährlich sind, wenn sie sichtbar werden.  Und alles was ich bilden wollte, waren Echos, um verzögern  zu können, was sich nicht wiederholen ließ. So hielt ich fest die Lider, Decken, selbst die Spiegelung im Fensterglas, mit reflektierten Wolken und Flugzeugen darin. Bis in den Tag hinein fiel Wasser, bis ich aufstand um zu gehen. Wohin denn, fragte man. Zurück antwortete ich und erhielt Begleitschutz bis nach Haus: Konzentrier Dich auf die Verben, nicht auf Orte, flüsterte man zum Abschied mir ins Ohr.</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-11T16:58:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/5112363/">
    <title>Ruhe ist ein Satz</title>
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    <description>Im Hochsommer zwischen Wattenscheid und Steele, Gemeinschaftskrankenhaus und Sprachkurs lernte ich Sätze bilden und verneinen, zu drei Zeiten und in allen Fällen. Plural und Vergangenheit, Redewendung, feststehend. &lt;br /&gt;
Unzählige Worte für Umgebung auch wie Wald, in dem ich unter leuchtbraunem Stapelholz und Wurzeln einen Platz zu finden suchte, der frei blieb, wenn ich weiterging. Denn alles, was ich ließ, verschloss sich hinterrücks und füllte sich schneller noch, als ich vermocht hätte jemals zu besetzen. Wie leicht der Raum einzunehmen war und nun so schwer zu überwinden, dass die Kraft auch nicht mehr ausreichte, die Existenz von Wirklichkeit anzuerkennen. Selbst am Bahnhof vor Zügen, Gleisen, Steigen aller Art sah ich noch die Lücken überall und statt Hindernissen nur die Flucht.</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-08T16:28:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/5093710/">
    <title>PQP</title>
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    <description>Sonntagmittags Ende Juli drängt das Volk zu den Gleisen, das Gepäck zwischen die Beine klemmend, und aus allem ragt Gerolltes. Handtücher und Decken, Schlafsäcke und obenauf in Folie gewickelt die Sandwiches und Obst. Man nippt an Wasserflaschen, wedelt mit dem Fahrplan in der Luft, blickt den Bahnsteig auf und ab, und manchmal auch zu Rathaus, Fernsehturm und Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zug dann Jugend mit Plastikschwertern und Helmen an den Gurten. Man tauscht Räucherschinken, selbstgemacht, und sieht den Mädchen zu, wie sie einander die Fußnägel lackieren. Immer schön recht stille halten, ach jetz haste dich verpinselt. Der Zug ruckt weiter, vorbei an lichten Birkenwäldern, die den Blick kurz freigeben auf bäuerliches Genre mit Vieh vor Backstein und Schrott an Ackerrand.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, da die Stadt sich immer mehr entfernte, erhielt sie erst Konturen, zu Traum Verworfenes trat als tatsächliche Geschichte deutlicher hervor. Und was bei niedrigerer Temperatur längst auseinander gefallen wäre, begann plötzlich zu kleben, als erreichte die Auflösung eine neue Stufe, ähnlich der Luft, die sich in einen festen Aggregatzustand zurückzubilden schien: Man musste nur genauer hinschauen, auf seine Hand zum Beispiel, wie sich der Schweiß zu dunklen Partikeln reiben ließ, gleich so vielen anderem auch: Alles was übrig war und sonst vereinzelt, hielt nun fest: Asphalt und Sohlen, Häuser mit Menschen drinnen und großen Glasfassaden nach vorn hinaus, Nächte, Tage, letzte Worte auch. Sie zogen sich zusammen zu Ansprachen und einer festen Zeit, die auf hatte endete oder gewesen war.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-30T07:29:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/5079216/">
    <title>Your City lies in dust, my friend</title>
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    <description>Nachts auf dem Rad die Straße hinunter, immer weiter und allein auf der Bahn, überholt nur vom eigenen Schatten unter regelmäßigem Laternenlicht geworfen, fuhr ich nordwärts: Oranienstraße, Jannowitzbrücke bis Alexanderplatz über die unter Hochhäusern sich aufschlagenden Kreuzungen noch von Baustellen umgrenzt und deren Absperrzäunen und Sandhügeln, kreuzte ich den großen Platz gegen den Verkehr aus anderer Richtung, es roch nach Abgasen und langsam verrauchenden Tagesdünsten, Staub und Teer. Kaum noch konnte ich die Radspur sehen, die weißen Pfeile  verschwammen und auch die Schriftzüge, die sich an Hochhäusern entlangwanden, Neonschilder von Hotels und Geschäften auf den oberen Rängen, darunter die kleinen Bars, vor denen Menschen mit Flaschen hockten, sonst niemand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pedale liefen auf großer Übersetzung und  angetrieben von der Musik im Ohr glitt auch deren Rhythmus hinüber auf den Takt des Tretlagers, unterbrochen nur vom leicht gegen den Knie schlagenden Schlüssel in der Tasche. Längst war das geschlossene Hauptfeld der Gruppe außer Sicht geraten, alle hatte ich abgedrängt, sie auf die Windkante genommen oben auf der Allee, als uns plötzlich ein heftiger Gegenwind aus Nordwest auseinander getrieben hatte. &lt;br /&gt;
Ich hielt nicht mehr an, übersah Ampeln und Stoppschilder, sah nur die Bahn und meine Spur und ab und an wieder ein paar Menschen an Busstationen und Tankstellen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und weiter bis hinauf an den äußeren Gürtel der Stadt: Aus den schwermassiven Häuserblocks wurden backsteinerne Gebäude, deren Firste sich auflösten zu Bauten mit Himmelsetagen, ganze Stockwerke schienen sich zu entheben und ja so wollte ich immer sein rauschend vorbei an einzelnen Punkten, die erst zu existieren begannen, wenn man stehen blieb, um abzusteigen vielleicht und sich umzuschauen, zu sprechen und zu verstehen wie jemand sagte: Wir dürfen nicht anhalten, sonst hören wir auf.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade eben noch hatten sich ganze Jahre in eine Bewegung einbetten lassen, oder auch zwei, ich wusste es nicht mehr, schon war die Vergangenheit verwischt von der Erinnerung und zu etwas Fremdgebautem umgestaltet, wo von der Sonne ganz staubige Ähren in der Dunkelheit standen und erste Sandufer und ein Elbdeich sich abzuzeichnen begannen. Dort stand ich vor dem stahldunklen Himmelsgrund und lauschte dem Echo durch das Geäst von Pappeln natürlich und mit den Füßen zwischen Heidekraut.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-23T12:16:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/5073079/">
    <title>Rast auf der Reise</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/5073079/</link>
    <description>In einem von Mauern umgrenzten Graben fand ich etwas weichen Grund. Leicht über dem Wasser gehoben, zeigte sich Schlamm, Moos auch und ein paar Halme Gras. Auf dieses schmale Stück legte ich mich, das Bein leicht abgespreizt, auf die Seite und mit einer Hand mich abstützend, suchte ich Halt. Rasch zog die Nässe durch den Stoff bis an die Haut, worunter in den Adern das Blut pulsierte, als feines Rauschen in den Ohren klang. Mücken surrten, Asseln krochen heran. Eine Ameise auch. &lt;br /&gt;
Von fern hörte ich das gleichmäßige Plätschern eines Laufs, als etwas nur, das Nähe sucht. Wie fließend er die Pfoten aus dem Wasser zog und wieder tauchte, leicht von Gewicht des Hungers wohl. Ich rührte mich nicht, ich blieb liegen ganz starr und lauschte seinem Atem bei mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lange schlief ich, wurde erst wach, als der Boden tief eingesunken war und sich die Schichten zu immer feinerem Korn zusammengeschoben hatten. Wie tief mochte ich sein, kaum noch konnte ich sehen wohin es mich trieb, schon floss Wasser und der Boden  wich weiter zurück. Alles zog nach unten, zu einer neuen Insel, die ich von mir schuf, für andere bald oder zu späterer Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wir alle stehen schon am Rand des Meeres. &lt;br /&gt;
Ich bin bei denen, die die Netze wählen,&lt;br /&gt;
Wenn wie ein Schwarm zieht &lt;br /&gt;
Die Unsterblichkeit.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Andrej Tarkowskij)</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-21T10:53:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/5052945/">
    <title>Regen, sich fügend</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/5052945/</link>
    <description>Auf Zeit hatte ich gespielt, nicht auf Verzögerung. Ich hatte auf Osten gesetzt: Auf langen Zugfahrten durch Steppen und Flusslandschaften entlang der Wolga, mit Feldern dahinter so groß wie ein Land, hatte ich schon die Passagiere flüstern hören von der Anmut der Distanz und dem Vorzug der Papiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich aber schlug das Wetter um und ließ die Fronten wechseln, an einem von vielen Nachmittagen am Rande der Stadt. Längst war die Luft klebrig vom Dunst der sich verdichtenden Wolken, doch unternahmen wir nichts, um dem nahenden Gewitter zu entkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen warteten wir: Auf das Ende des Regens zunächst oder auf etwas, von dem ich mich längst verabschiedet zu haben glaubte. Wie flinke Tiere, die sich durch die Energie des Aufpralls fortbewegen, schlugen die Tropfen auf den Tisch und bis zu uns zurück, auf Hände und Gesicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab keinen Anlass für eine Strategie, so dass sich die Friktion in eine Gunst verwandelte. Einzig die Hoffnung auf ein schnelles Aufklaren wirkte wohl als Hemmnis, denn es regnete bis früh. Und ich verschob die Heimkehr, bis ich sie schließlich ganz vergaß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir bewegten uns kaum, wir blieben, wie wir waren. Und selbst als der Regen aufhörte, hielt er immer noch mich.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-11T10:04:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4895705/">
    <title>Glanz dieser Nächte, der.</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4895705/</link>
    <description>Zwölf Stunden später, längst zwitscherten Vögel in den Zweigen wieder und über die silbrigen Gleise klapperten Züge, trat ich  vor die Tür. Es war kalt, Tautropfen lagen auf dem Radsattel und die Glieder unter der Haut wie Eis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Abend, durch die Nacht: Das schwindende Licht löste die Gegenstände zu Schemen auf, aus denen die Erzählungen stiegen, wie ein von der Tiefe des Dunkels sich nährender Strom. Manchmal kamen Katzen herein, setzten sich zwischen uns. Ihr Fell schillerte, das Jackett am Schrank verwandelte sich in einen Talar, während er über Aleister Crowley und die Throbbing Gristle sprach, über Flashbacks und Autofahren auf LSD, Kempowskis Apfelkuchen und Poesiealben auch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal schwang ich die Beine über die schmale Lehne, wippte vorsichtig mit den Füßen auf und ab. So verging Stunde um Stunde ohne zu trinken, ohne zu rauchen, und wenn wir nichts besessen hätten, wäre der Morgen, der Tag und die nächste Nacht vorbeigezogen, die Nachbarn, die Cafégäste im Hof und die Züge links und rechts von uns.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-28T19:58:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4868096/">
    <title>blister</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4868096/</link>
    <description>Auf der Fahrt zurück fuhren wir durch Orte, deren Namen nach Verbformen klangen. Und wie sich die Dörfer aus den dort verrichteten Tätigkeiten gebildet hatten einst wohl, deuteten sie nun einen ihnen innewohnenden Zeitmodus an: Könnern und Belleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Bahnhofsfenstern lagen die Jalousien wie Schlafklappen, durch die das Licht zwischen die einzelnen Lamellen dünne, vom Schatten gerissene Lider zog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich träumte von Klostern und Texten, in die ich eintreten könnte wie in eine Heimat, der ich nicht vertrauen muss, nur weil ich sie erkenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abblätternde Farbschichten an Schildern und Hauswänden lagen reglos, doch schienen sie nicht zu verharren, sondern vielmehr zerrieben zu werden von dem Bedürfnis nach großer Ruhe, als wäre der Verfall nichts anderes als die Materialisierung einer Sehnsucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den gepflügten Feldern lag glatte Erde und die schlanken Graustämme der Pappeln am Rand schienen lebendiger als jene fein gerichteten Stadtgehäuse weiter südlich, die ihre Gegenwärtigkeit als Identität verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal tauchten an den linksseitigen Flussufern Menschen in hellblauen Anoraks auf und verschwanden sofort wieder zwischen erwähnten Pappeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und alles stand und formte Bilder, die ich versuchte als Laune abzutun, als wären sie nur Aufwölbungen, in die sich stechen ließ.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-16T22:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4707020/">
    <title>Wandelnde Blätter</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4707020/</link>
    <description>Wir gingen nebeneinander her, der Morgen war hell und der Bürgersteig sehr schmal, gelbe Müllsäcke hingen an den Zäunen und an den Häusern die Briefkästen. Ich konzentrierte mich auf meine Schritte; ich will jetzt keinen Unfall bauen, ich muss an meine Zukunft denken. Erst kam der Tunnel, auf der anderen Seite dann der Park. Du bist immer so transitiv, alles durchgehst du nur. Er nickte: Nur schwache Verben können Objekte binden, sieh mal: flehen  floh - geflohen. Ich schaute auf den Boden zu ein paar Zweigen und Kieseln und dachte an Stammformen. &lt;br /&gt;
Am Bahnhof erklärte er mir ein letztes Mal die Strategie im öffentlichen Fernverkehr. Leistung erschlich er sich durch Transparenz, im Zug wurde er übersehen und zu Hause nicht gefragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen seine Starre war Lakonie nur eine Milchglasscheibe, sie stellte Verborgenheit noch aus. Er aber war so unauffällig, dass man ihn erst zu erkennen glaubte, wenn er nicht mehr zu sehen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschiede waren leicht, denn zu ihnen konnte man sich hinbewegen, wie zu einem Punkt. Und überhaupt sollte die Welt nur noch aus Stellen bestehen, an die man sich fristgemäß und sicher abzuliefern wusste.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-14T23:29:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4631123/">
    <title>Arbeit an Isolation</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4631123/</link>
    <description>Als es klingelte, legte ich ihn auf das oberste Regal und öffnete die Tür. Draußen stand die Nachbarin, während ich sie vertröstete auf später, morgen, irgendwann, wartete er schweigend in den Sandalen, nur das Ohr ragte zwischen den Lederriemen hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu verbergen versuchte auch ich mich, zunächst unter Kölner Dialekt und dann auch noch hinter Bachtin, mit einem Satz: Es wurde immer unerträglicher, je näher die Ereignisse dem Kopf kamen.&lt;br /&gt;
Es passte aber auch so gut und blieb es, solange zumindest die offensichtlichste Verleugnung aus Worten noch bestand, denn sie waren einfache und leicht zu organisierende Füllstoffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Himmel surrten die Hubschrauber, an das Fenster schlug der Regen, alles war bedingt von der Kraft der Konstellation, ich sagte: Du reflektierst ja nur, um Dich von Deinem Körper abzulenken. -  Und Du denkst umso besser, je feiger du bist. &lt;br /&gt;
Dann legten wir auf.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-20T17:21:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4569984/">
    <title>Naturraum Nr.129</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4569984/</link>
    <description>Auf der Rückfahrt hatten wir Verspätung, der Zug raste in die Kurven und ließ uns torkeln. Die zur Seite gedrückten Körper gaben dann den Blick kurz frei auf Menschen mit gefütterten Gummistiefeln und Stiften in den Händen und Texten. Unruhig aber wurde ich nur, als der Zug einfuhr in die Stadt mit Namen darin wie angeschwemmtes Leergut. Ich schaute im Buch weiter hin und her, während sich die Reiseschar vorbei drängte. Da hatte man vor fünf Jahrhunderten schon so viel Land entdeckt und trotzdem stand alles immer noch zu eng. Der russische Cellist drückte sich höflich am Knie seiner in Pelz gehüllten k.u.k. Nachbarin vorbei. Ich würde mich gern kurz frisch machen, sagte er und legte sein Buch auf dem Tisch ab. Es dauerte eine Weile, bis ich die Buchstaben Pascal entziffert hatte und der Moment so weit trocken gefallen war, dass die Gleise schließlich wie schmale Buhnen erschienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war das Nachlassen: Zu Jubiläen noch ließ es sich aufschieben, und bildete zumindest an den Stellen, wo wir nicht waren, die Möglichkeit zurückzukehren, als läge in der Verleugnung von Erinnerung ein utopischer Moment.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-30T10:29:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4451847/">
    <title>links und rechts: die Wegelagerer</title>
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    <description>Nun müsste ich beginnen, das Losgewordene wieder einzusammeln, die abgelebten Formen aus dem Dateigebirge hoch zu holen, denn endlich hatte ich ein Gebiet gefunden, wo ich die Untoten einschließen könnte, statt sie von allem nur zu trennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und deshalb reichte auch kein Rezeptschein mit Stempel und Unterschrift mehr aus. Die  Notärzte waren jung und zügig gewesen, wahrscheinlich hatten sie das Zittern  als Aufregung gedeutet. Tatsächlich waren es wieder nur Rauschsucht und Schlafmangel gewesen, denn wieder hatte sie hinter dem Rücken fremder Gäste fremde Getränke ausgetrunken und sich weder auf das Wesen nebendran noch auf dessen Ausführungen über Storm -oder war es Fontane- konzentrieren können.  Hombre, fragte sie,  bist  Du nicht bei Quelle? Ja antworte er, aber nur halbtags und morgen hab ich frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Subjekte begründeten sich in den Geheimnissen, denn Selbstvertrautheit entstand nur durch Verbergung. Und so waren auch Lügen nichts anderes als Ausdruck von gesteigertem Ich-Bedarf. In ihnen vertraute man sich an, als magisches Gewebe lagen sie unterhalb des Seinsgestrüpps. Wenn es also etwas Konstituierendes  geben sollte, dann wären sie es und mit ihnen die Irreführung der Objekte.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-15T20:20:00Z</dc:date>
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    <title>oh my dearest countryroad</title>
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    <description>Kaum aus der Stadt, löste sich der Wasserturm sofort hinter den Baustellen auf, verschwand aus dem Blick wie damals, als wir im Dachzimmer Schach gespielt und geraucht hatten, zweimal matt in anderthalb Stunden, und das war es dann auch schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Himmel war nassgrau,  neben den Gleisen lagen die Felder als erdschweres Gefurch, darüber verteilten sich ein paar Vögel und Windräder, das übliche Gezier. Die Fenster der Bahnhofshäuser waren mit Spanplatten vernagelt, Glassplitter lagen zwischen  Vegetationsgestrüpp und Müll. Eine halbe Stunde später begannen die Orte wieder alle auf Leben zu enden. Immer musste Geographie  herhalten, wenn man nicht mehr weiter wusste. Den ganzen Morgen hatte ich nach passenden Betreffzeilen gesucht und schließlich doch den Ort genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich dachte an die leer stehende Wohnung in der zweiten Etage, an  Zukunft en Detail also und Dichter im Exil. Doch statt Jünger stieg nur Matussek hinzu und nahm sofort Kontakt zum Roten Meer auf. Es war eindeutig: Goethe war nur Vorwand, mit den langen Schuhen stieß er immerzu an die durchsichtige Plastiktüte, die den Blick auf ein Federbett freigab. Die Mama wird immer die tollste Frau für mich bleiben, und zu Weihnachten fahren wir alle nach Vietnam. Dabei schaute er in den finsteren Harz, aus dem er später germanistisches Hexenland machen würde, dabei fürchtete er nur Ulrike und die Zukunft. &quot;Ja Schatz, ich weiß was ich tue&quot;, u.s.w.. Ein paar Jugendliche nahmen hinter uns Platz und schliefen sofort ein, während Matussek im Spiegel des Fensterglases versuchte, die Haare zu betrachten und wahrscheinlich auch einen Blick hinüber warf. Ich schaute ebenfalls hinaus und machte beim Abschnitt über Jüngers Leben in Goslar ein paar abschließende Notizen.</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-31T18:04:00Z</dc:date>
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    <title>Platzhaltertext</title>
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    <description>Beim Antiquar kamen die Bestellungen nicht mehr an, im Büro wurden mir die Bücher gestohlen oder ich verlor sie schließlich im Flur bei irgendwelchen Partys. Vor der Tür dann holte ich &lt;i&gt; Hand an sich legen&lt;/i&gt; ab, auf dem Einband befanden sich sogar ein paar lächerliche Schaumspuren, weil der Gastgeber gerade in der Badewanne lag, als ich klingelte. Es war ja nur ein Buch, nichts Ernstes. Aber auch beim Antiquar gab es wie schon erwähnt und in letzter Woche  nichts mehr zu holen. Er schüttelte nur den knochigen Kopf und strich sich über seine Soldatenfrisur   dabei hatte er sich ständig geirrt, vor allem, was Jünger betraf - das meiste hatte ich revidieren müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In solchen Situationen war es gut, wohlklingende Ablenkungen bereit zu halten, wie das Produzieren von lauten Geräuschen etwa. Wenn jemand mir in näherer Entfernung beizukommen suchte, holte ich schnell ein paar Zwieback hervor oder lief auf die Baustelle zu den Presslufthammern. Und es kamen viele schöne, hochleistungsbereite Menschen vorbei, während ich sang, noch mit Krümeln im Mund: Schickt mir keine Petitionen, ich hör euch trotzdem nicht mehr an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Kleines  wer wird denn gleich so militant, sagte jemand und ich hätte ihn gern aufgelegt, wie ein Gespräch  was hatten wir schon anderes aneinander, wenn nicht Telefone  und einen Besuch jährlich, meistens an Sylvester.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-17T06:34:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4331461/">
    <title>Arbeit an Anwesenheit</title>
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    <description>Sie lehnte sich an ein paar Dinge: an die Scheibe eines Wartehäuschens, an einen Tresen und später an den Türrahmen in der obersten Etage. Sie hatte kalte Hände und sprach von einer Deckentheorie, wonach Männer nur  da wären, um Frauen zu wärmen. Erst kürzlich hatte sie davon gehört, auf einem anderen Flur in etwa ähnlich hohem Stockwerk. Er lächelte, wahrscheinlich war er dankbar für ihre Lakonie und wiederholte bereitwillig die Sätze. Und sie freute sich über die soeben erfundene Technik der Beschwörung: Alles Material, was sie noch bergen könnte, würde sie von nun an in Anwesendes setzen, bis es bald schon so dicht stände,  dass das Restwesen sich wie von selbst einstellen würde. &lt;br /&gt;
(Leider war der Ansatz schön aber falsch: Das Leben ist kein Puzzlespiel.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem verbrachte sie die nächsten Wochen mit Arbeit an Präsenz, als eine umgekehrte Form des Wartens vor Verschlossenheit: Dort würde sie frieren, hier jedoch könnte sie sich einrichten im Nichts und alles in Umgebung implantieren, als wäre Gegenwart ein Setzkasten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedeuten würde das letztlich aber nichts als Arbeit.</description>
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    <dc:date>2007-10-14T17:47:00Z</dc:date>
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    <title>in gemäßigten Zonen</title>
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    <description>Es roch nach gegorenen Früchten auf diesem entlegenen Bahnhof  der Himmel lag tief über dem sich beugenden Farnwerk, Goldähren wiesen west- oder ostwärts, Himmelsrichtungen zogen sich zu Abstrakta über dem verderbten Landstrich. Zu fast allen Bahnsteigen war der Zugang versperrt. An den Aufgängen lagen die Eisenstangen quer und an den oberen Enden der Treppen wucherte dunkelgrünes Gebüsch. Auf dem einzig geöffneten Steig saß ein Kind mit geschminktem Katzengesicht und seufzte. Weiter hinten stand ein Mann in einer Jeansjacke und schaute zu Boden. Merkwürdig verdreht war diese Starre, in der Sichtbarkeit nur als etwas Ragendes vorhanden blieb und Natur als Übriges erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann fuhren wir weiter, wie ein Dschungel lag der Herbst vor dem Zugfenster, zu allen Seiten hin verdichtete sich Vegetation. Ein paar weiße Häuser standen auf Anhöhen, darunter kreiselte der Verkehr. Die Schaffnerin zog die Kontroll-Apparate über den festen  Rücken, an die milchige Scheibe presste sich das Fleisch und bildete dunkle Druckstellen    im nächsten Abteil schliefen zwei Mädchen mit Sternen an den Sprunggelenken und großen Koffern vor sich    bis nach München, bis nach Rijeka vielleicht, an die äußeren Grenzen des Herbstes, wo es immergrün blieb und in den Bergen nach Salbei roch.</description>
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    <dc:date>2007-10-04T21:42:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4320544/">
    <title>Katalysen</title>
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    <description>Sie brachte ihm das Galgenrätseln, das Schwarzfahren und das Laufen auf der Straßenmitte bei; das Aushalten also von Gefahren und wie man seine Chancen einschätzt. Manchmal ließ sie auch den Stoffbeutel dicht über seinen Kopf sausen, und dann wieder, wenn sie von einem Ausflug heimkehrten, lief sie schnell die Treppen hinauf um ihn auf der letzten Stufe für ein paar Sekunden erwarten zu können.  Sie tat also viel und war stets bemüht, möglichst einprägsame Dinge zu tun, so schob sie sich die Salzstangen quer in den Mund und fiel an der Grenze zu Hessen in einen Bach. Dennoch  hätte sie ihm lieber gleich das passende Fotoalbum überreicht, darin wären die Entfernungen zur Wirklichkeit deutlich besser zur Geltung gekommen und nach draußen hätten sie dann auch nicht mehr gemusst.</description>
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    <dc:date>2007-10-04T21:15:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4260765/">
    <title>Friktionen</title>
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    <description>Und nach zwei Wochen schien zum ersten Mal die Sonne, es war ein lauer Abend, als  ich die Straße entlang ging, war ich allein mit ein paar ebenfalls einzelnen Passanten. Hätten wir unsere Gesten etwas schwungvoller gestaltet,  hätten wir schlendern können, das Laub raschelte bereits, es gab ein wenig Wind. Die breite Straße wies in weiterführende Umgebung, aus der Tasche fiel ein Apfel. Es gab einen dumpfen Schlag auf dem Beton ähnlich dem Moment, wenn die blanke Schneide in  nachgiebigeren Füllstoff versinkt. Geräusche waren der Aushauch der Dinge, man musste sich von ihnen nicht abwenden, sie taten es ganz von allein und klickten nur, wenn sie aufgelegt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich aber musste mich ein paar Mal herumdrehen und versuchen, von mir abzulenken, stattdessen sah ich  immer nur die abgewandten Seiten außerhalb, von denen wiederum nichts als ein paar Ausläufer zu sehen blieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief weiter mit den weißen Elementen hinterrücks, die mir morgens schon begegnet waren, als ich bei der Frau am Schalter gestanden hatte. Das kommt sowieso nicht an und: Das hatten wir schön öfter. Ich antwortete: So eine Art Etappenproblem, aber da war sie schon verschwunden. &lt;br /&gt;
Auf dem Weg zurück zeigte sich Prärie vor dem Zugfenster, Großvater kam ins Bistro geschlürft und erzählte von Finten, ich sagte: Lies Deinen Clausewitz allein und komm erst wieder wenn hier Schnee fällt.  Er gehorchte, obwohl wir beide wussten, dass noch nie Schnee auf der bislang zurückgelegten Strecke gefallen war und auch niemals fallen würde, solange Kalenderblätter noch keine magischen Kräfte besäßen.&lt;br /&gt;
Er nahm sein Buch und rief: Lenk sie ab, zeig ihnen Berge, Landschaft, was weiß ich. Es kam aber niemand, und als ich ausstieg blieb mir nur das Fahrrad, dessen Schloss solange klemmte, bis mich endlich jemand zum Kaffee einlud und mir von asiatischen Vorstädten und dem Wetter hier erzählte, aber das kannte ich alles schon  und es war immer so weiter gegangen und als ich mich endlich zurückdrehte, klingelte das Telefon, siehe oben.</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-09-14T18:56:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4196662/">
    <title>kisses of an old clochard named Lucy</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4196662/</link>
    <description>Am Haus gegenüber standen alle Fensterläden weit offen, die grauen Gardinen flogen auf und glitten über das Holz, dessen türkise Farbe an Grünspan erinnerte. Zwischen zwei Fenstern im zweiten Stock stand in großen weißen Buchstaben &lt;i&gt;La Marseillaise&lt;/i&gt; auf ein blaues Schild geschrieben. An der Unterseite zog sich ein gelber Streifen entlang, während ich in dem Kaffee rührte, dachte ich an Pastis und im Wasser blau schimmerndes Eis. Immer neue Wolkenberge zogen heran, schlugen sich über den flachen Dächern auf, ich grub mit dem winzigen Löffel in dem Tassengrund und kratzte den geschmolzenen Zucker heraus. Währenddessen blätterte das Buch zurück auf Seite 42, auf der &lt;i&gt;die Mystiker behaupten, dass die Ekstase ihnen ein kreisförmiges Gemach offenbare, mit einem großen kreisförmigen Buch, dessen Rücken rund um die Wand läuft. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Stock trat ein Mann auf den Balkon und lehnte sich auf das schmale, geschwungene Eisengitter. Er trug eine Kappe von derselben violetten Farbe wie die Strandflagge, die der Bademeister heute Morgen gehisst hatte. Baden verboten hatte er gesagt und als wir nach dem Grund gefragt hatten, hatte er erst auf das Telefon und dann mit dem Daumen nach oben gezeigt. Ein Kamerateam war gekommen und hatte ihn gefilmt, wie er nachlässigen Eltern die Kinder aus dem Wasser fischte. Ich hatte gesagt: Sieh mal, wie schön das Ufer die Privatsphäre säumt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich schrillte ein Telefon, der Mann am Fenster verschwand. Es war einer dieser Töne, die eine ganze französische Generation in die Küchen ihrer Großeltern zurückversetzen konnte, in denen sie an langen Sonntagen zu viele Madeleines verspeist hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Mann im Raum umherging, standen die kleinen, halbrunden Fenster in der ersten Etage offen und gaben den Blick auf mehrere Neonröhren frei, die über den Maschinen befestigt waren. Neben der Tür zu den Druckräumen erschien plötzlich das Faktotum und ging langsam zurück zu ihrem Lager in der Mitte des Platzes. Lucy besaß inzwischen zwei Einkaufswagen, in denen unter den Stoffballen und Lumpen die Beine eines umgeworfenen Stuhls herausragten. Ich zahlte und stand auf, bog in die nächsten Seitenstraße ein um am Hafen entlang nach Hause zu gehen. Links die Restaurants, rechts die weißgetünchten Zäune der Yachtclubs, hinter denen die dürren Masten der Segelschiffe im Wind standen.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-24T21:50:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4213796/">
    <title>Nachlass</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4213796/</link>
    <description>Es waren nur ein paar Dinge: Ein Loch in der Wand zum Treppenhaus, der Geruch von Rauchbomben und ein paar verendete Kakerlaken auf dem Lichtschalter. Auf der Suche nach leeren Kartons gingen wir ein letztes Mal  durch das Viertel. Der Gemüsehändler trug uns die Kisten nach Hause, da wurden wir wehmütig. Lass uns doch bleiben, sagte ich. Nein, sagte sie und erinnerte an den Flur. Nur dort waren wir vor den Blicken der Nachbarn geschützt gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuletzt machten wir Bestandsaufnahme. Es gab wenige  Mängel: Ein Wasserrohrbruch im Bad und drei zerbrochene Fensterscheiben. Während ich schrieb,  strich sie mit dem Finger über die Wand. Sie schrie kurz auf, ich fragte: Na, wieder eine Kakerlake? Nein, sagte sie, ein elektrischer Schlag. Ich reichte ihr einen Stift. Sie schrieb &lt;i&gt;Attention, prise de courant ouverte&lt;/i&gt; über die Stelle. Dann packten wir unsere Sachen und trugen sie ins Treppenhaus. Der Fahrstuhl war seit gestern kaputt, auf der Kabine lag bereits das Werkzeug. Wir nahmen den Hammer und den Akkuschrauber, dann stiegen wir hinab, an den Wänden zeichneten sich die Konturen des Mauerwerks ab. Der abgebröckelte Putz knirschte auf den Stufen.&lt;br /&gt;
Draußen hatte es angefangen zu stürmen und natürlich würde es Gewitter geben, sobald wir um die Ecke gebogen wären.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-30T14:03:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4196779/">
    <title>nocturne IV</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4196779/</link>
    <description>Nachts war die Lampe im Zimmer die einzige Quelle im Hofgelände, deren Licht bis an die gegenüberliegende Hauswand reichte - einer im Dunkel liegenden und nur von ein paar diffusen Televisionsstrahlen erhellten Seite.  Auf diese Wand waren die Schatten meiner Glieder projiziert, als ich auf der Fensterbank saß, die Beine angewinkelt über der lose gespannten Wäscheleine. Und  einer alten Ordnung Folge leistend, stellte ich das Glas zur Seite, lauschte nach Nebelhörnern, Schiffsmotoren oder nach etwas, das nur nachts sinken konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hofschächte waren die Innenseite des Stadtlebens. Alle Gänge führten hierhin. Morgens nahmen die Männer ihre Schuhe und die Frauen die Tüten von der Fensterbank. Milchig war das Licht, das die getünchten Wände gegenüber zurückwarfen. Schaute man lange genug auf die andere Seite, bildeten sich braunschillernde Kreise wie verblasste Wasserflecken. Und wenn ein paar Wolken am Himmel standen, wurde das Licht im Hinterhof grau, als lebten wir in einem Kalkwerk.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-24T23:05:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4177805/">
    <title>Trugbilder</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4177805/</link>
    <description>Auf der Fensterbank lag noch eine Packung Tabakblättchen, auf dem Regal gegenüber eine Nougatstange, daneben stand die Flasche Pastis au Citron u.s.w.. Ich brach ein Stück weichen Nougats ab, legte mich auf die Couch und schlug die Illuminationen auf, heraus fielen zwei Briefseiten, deren Papier lange gelagert haben musste, um so stark zu vergilben. Es roch modrig und nach Rauch, wie alles hier in näherer Umgebung. Auf dem Sofa kräuselten sich ein paar Tabakfäden, der Stoff war übersät mit Sand und Hautfetzen, langsam von den Beinen gestrichen, geschabt. Nichts konnte mehr fortgetragen, verstaut oder zum Gegenstand für  Gespräche werden. Ich betrachtete diese Details, sah, wie sie die Abwesenheit als etwas Eingrenzbares umrandeten, in deren Feld sich die letzten Tage überschauen ließen wie eine Ebene, dehn- und ausführbar zu beinah allen Seiten hin, und sich, als ich von ihr absehen wollte, vorsichtig zu etwas Annehmbarem wölbte, das sich nur in Augenwinkeln halten ließe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie ich später am Abend im nahen Park erkannte, wo sich bei hereinbrechender Dunkelheit die Ratten über den Müll hermachten und das Eis in den Gläsern viel zu schnell schmolz um länger da zu sitzen, zu sitzen und zu rauchen und Bücher in den Schoß gelegt zu bekommen, in denen  sieh nur, überall mein Name geschrieben steht-. Da erkannte ich, dass der sicherste Bezug zueinander nur ambivalent bestehen bliebe, solange nichts zu lösen und nichts zu verbinden sei.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-19T11:54:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4151636/">
    <title>sie alle wollen nur zu</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4151636/</link>
    <description>Wie leicht könnte alles sein, spielte Geld keine Rolle und Geschichte sowieso nicht. Dann könnte sie einfach die Straße hinunterlaufen, mit dem immerwährenden Hund an der Leine, zufällig würden sich ihre Wege kreuzen, irgendwo zwischen centre ville und malmousque und dann würden sie einfach den gleichen Weg gehen und müssten gar nichts sagen, außer: Gegessen hab` ich schon. Das würde alles nehmen, und alles, was sowieso schon immer da gewesen war, könnte sie schnell noch abstreifen, falls sie es nicht längst abgestriffen hätte, tu t`en doutes? Reue hatte sie abgelegt und Schuld hatte nie in ihr Vokabular gehört. Nachts heulte draußen der Mistral, dass wir dachten, das Meer stünde tatsächlich vor der Tür wie dieser Hund, dessen Tiere im Fell langsam zu Beutewesen heranwuchsen und ihn vom Bett vertrieben. Morgens würden wir aus der Tür treten, vom Mistral schon wieder zerzaust: Du zum Bäcker  ich zum Briefkasten- ja, und wenn Du Lust hast, dann gehen wir in der Stadt was trinken, si t`as envie de reinvestir le centre, so hatte er es ausgedrückt und immer noch grübelten sie, über Spaghetti gebeugt, welche Konnotationen das mit sich brachte. Keine, sagte ich und goss mir kalten Tomatensaft nach, so ist das. Also halt bloß den Mund, sonst endest Du als Nachbarin in irgendwelchen Hinterhöfen und legst abends verschwitzte Turnschuhe auf den Sims. Das wollen wir  nicht, nein, das wollten wir bestimmt nicht, wir wollten nur Stipendien und Lieblingstöchter.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-09T19:58:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4138588/">
    <title>Nocturne III</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4138588/</link>
    <description>Spätabends verwandelte sich die gegenüberliegende Front, nur von den Lichtern der diesseitigen Zimmer erhellt, zu  einem Schattenmosaik aus blassen, zu den Rändern hin immer grauer werdenden Schemen. Und aus den Abflüssen tief unten in den Hoffluren drang ein Glucksen, als würden sich, gespeist von geheimen Zuflüssen aus dem nahen Meer, langsam die Schächte mit Salzwasser füllen. Dann löschte sie alle Lichter, stellte sich auf den Sims des weitgeöffneten Fensters und schaute hinunter in eine schwarze Masse, die immer höher stieg, bis sie zu einer wogenden See herangewachsen war. Von weit her kam das Wasser bis an ihre Füße, vielleicht sogar von den Breitengraden südlich des Äquators, wo die Westwinde das Meer aufwühlten und Schaumkronen vorantrieben, aus denen, beugte sie sich nur ein wenig weiter herab, raure Stimmen wisperten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;I am the eldest of three sisters &lt;br /&gt;
born down around the roaring forties &lt;br /&gt;
I have been sent to be your mistress &lt;br /&gt;
young [girl] you&apos;re coming down with me&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(C.Kjellvander)</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-05T21:16:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4134834/">
    <title>Das Ding mit dem Text</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4134834/</link>
    <description>Was sie nicht alles tat: Weil sie wusste, dass er an diesem Abend keine Zeit hatte, würde sie anrufen. Gerade eben hatte er die Gäste erst zur Tür hereingelassen und käme nun auch einmal in die Lage, das Gespräch rasch beenden zu müssen. Als sie schon die Nummer wählte, fiel ihr jedoch eine alte Geschichte wieder ein, in der sie mit jemandem um die Wette geschwommen war. Sie hatte ihn schließlich gewinnen lassen [weil sie es nicht ertragen hätte, wenn er langsamer gewesen wäre]. Und dieses Bild vielleicht ließ sie wieder auflegen, oder weil sie bereits ahnte, dass er sich bald darauf beschweren würde. Ach, würde er sagen, warum hast Du nicht doch angerufen? Ach, würde sie antworten, ich wohne ja auch nicht im 4. Stock. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und obwohl sie sich auf dieses Etagenproblem berief, hatte sie längst bemerkt, wie die Texte begannen sie zu beeinflussen und wollte nun endlich anfangen, beim Schreiben auf die richtige Prägung zu achten.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-04T22:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4131803/">
    <title>Quartier des Catalans</title>
    <link>http://monseigneur.twoday.net/stories/4131803/</link>
    <description>Das Licht im Hof ist immer milchgrau, weil der Betonblock gegenüber zehn Stockwerke zählt. Will ich das Wetter prüfen, muss ich mich also hinauslehnen und sehe dann nicht nur den Himmel weit oben, sondern auch mein Spiegelbild in den Fenstern gegenüber. Als befände ich mich tatsächlich nur auf der gegenüberliegenden Seite meiner Heimat, sind sie mit dunkelroten Gardinen verhangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Meer dröhnt das dumpfe Horn der einlaufenden Fähren, darüber knattern die Motoren der Flugzeuge und  die Concierge spritzt Wasser über den Hofboden. Es heißt, jemand höre hier täglich eine Stunde Julio Iglesias und abends gebe es häufig Geschrei, wenn die Männer an die Fenster treten und ihre Zigaretten in den Fischdunst halten, der vom Restaurant heraufzieht. Sie alle werden von uns profitieren, nicht nur von den Profilen, wie es sich die Herren aus dem 6. Stock ausmalen, sondern auch von der Vorliebe für Kjellvander und atmosphärisches Lebensgewimmel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das werden sie bekommen, während wir nur noch mit Kleingeld fürs Café und den Waschsalon leben, mit einem schnellen Internet und den Öffnungszeiten des Strandes. &lt;br /&gt;
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Würden wir mehr wollen, sollten wir Kammerjäger oder Tauchlehrer werden, letztere seien sehr poetische Menschen, sagt sie, als wir abends im Café sitzen. Ich nicke und starre über die Autodächer hinweg auf die Brandung vorm Chateau D`If, - ach, übernimm Du heute mal den Christo, ich muss kurz nachdenken.&lt;br /&gt;
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Und auch alle anderen Dinge revitalisieren sich: Elend hat seine Gestalt in einem kleinen wackeligen Hund gefunden, der wegen seiner drei Beine nur auf dem Bett liegen kann. Aber ich will gnädig sein, mich ein wenig um ihn kümmern und setze ihn nur nachts vor die Tür. Dann nämlich bekommt er Atemnot, und mit Hundeleichen lasst mich bloß in Ruhe.</description>
    <dc:creator>Montseigneur</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Montseigneur</dc:rights>
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    <title>Bewegte Massen II</title>
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    <description>Es gab von allem zu viel: Es gab Sturm, Springflut und hinter dem Deich den ganzen Rest: fette Amseln und Möwen auf Reetdachhäusern, darunter Jungfamilien mit Kindern an den Händen oder auf dem Rasen zwischen den Freiluftkäfigen lagernd, in denen die mitgebrachten Haustiere hockten, vorzugsweise Kaninchen, manchmal auch Schildkröten. Und natürlich gab es die Hunde, die über  Unmengen von Heckenrosenbüschen sprangen und  vor den schlotternden Kaninchen herumwedelten, während die Kinder sich Eistüten in die Hälse schoben und später die Deiche herunterrollten und weiter nördlich ihre Lenkdrachen zu Boden krachen ließen. Jemand brüllte: Denken ist reine Glückssache. Umgekehrt hätte es vielleicht mehr Sinn ergeben, aber da war schon niemand mehr zur Hand, schon gar kein Kind, nicht einmal ein bayerisches. Im Watt quoll bei Niedrigwasser ein Meer aus Sandhäufchen hervor, Millionen von Würmern schieden bis in den Abend hinein Schlamm aus, bis das Wasser zurückkam und sie vor den Möwen verdeckte wie auch die Inseln, die bei Ebbe am Horizont gelegen hatten wie Spiegelstriche. Auf der Karte konnten wir sie jedoch nirgends finden und ich zweifelte schließlich, ob es sich nicht einfach um riesige Containerschiffe gehandelt hatte.</description>
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    <dc:date>2007-07-31T17:31:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://monseigneur.twoday.net/stories/4119456/">
    <title>Wechselstrom, bewegte Massen</title>
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    <description>Mit den berüchtigten Knien ging ich am nächsten Morgen umher, erklären konnte ich sie mir nicht, zumindest gab es mehrere Gründe. Im Traum hatte ich unter der Decke gehangen, seltsam mit den Beinen an den Wänden Halt suchend, während er mir mit großen Zetteln etwas zu erklären suchte und mich zugleich über Fototechnik ausfragte. Auf beides wusste ich keine Antwort zu geben, hatte schon keine gefunden, als sie bei mir eine Träne im Augenwinkel entdeckt hatte. Weißt du, wie beim Radfahren, sagte ich, wenn Dir der Wind das Wasser aus den Augen drückt. Verunsichert war sie jedoch schon zur Genüge und ließ sich nicht mehr ablenken und genau an dieser Stelle begannen die Zweifel. Diesmal versuchte sie es mit einem Vergleich, ich aber legte ihr schnell etwas auf den Mund und musste mir selbst später ein Buch an die Wange halten, als wir auf der Terrasse saßen oder sagen wir lieber: Balkon. Im Rücken lag das backsteinere Gartenhaus, aus dem, man müsste nur ein wenig drehen, Federvieh herauswatscheln würde. Stattdessen zuckten ständig die Gardinen, vergeblich versuchten wir den Schirm zu montieren. Schließlich hielt ich das Buch hoch, so zumindest war ein Teil geschützt, so allerdings war es im Weg, als sie sich zu mir herunterbeugte.&lt;br /&gt;
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Später am Tag übersah ich dann doch ein entgegenkommendes Auto, aber das lag tatsächlich am Fahrtwind.</description>
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    <dc:date>2007-07-30T08:56:00Z</dc:date>
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   <title>find</title>
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