Mittwoch, 23. Juli 2008

Your City lies in dust, my friend

Nachts auf dem Rad die Straße hinunter, immer weiter und allein auf der Bahn, überholt nur vom eigenen Schatten unter regelmäßigem Laternenlicht geworfen, fuhr ich nordwärts: Oranienstraße, Jannowitzbrücke bis Alexanderplatz über die unter Hochhäusern sich aufschlagenden Kreuzungen noch von Baustellen umgrenzt und deren Absperrzäunen und Sandhügeln, kreuzte ich den großen Platz gegen den Verkehr aus anderer Richtung, es roch nach Abgasen und langsam verrauchenden Tagesdünsten, Staub und Teer. Kaum noch konnte ich die Radspur sehen, die weißen Pfeile verschwammen und auch die Schriftzüge, die sich an Hochhäusern entlangwanden, Neonschilder von Hotels und Geschäften auf den oberen Rängen, darunter die kleinen Bars, vor denen Menschen mit Flaschen hockten, sonst niemand.

Die Pedale liefen auf großer Übersetzung und angetrieben von der Musik im Ohr glitt auch deren Rhythmus hinüber auf den Takt des Tretlagers, unterbrochen nur vom leicht gegen den Knie schlagenden Schlüssel in der Tasche. Längst war das geschlossene Hauptfeld der Gruppe außer Sicht geraten, alle hatte ich abgedrängt, sie auf die Windkante genommen oben auf der Allee, als uns plötzlich ein heftiger Gegenwind aus Nordwest auseinander getrieben hatte.
Ich hielt nicht mehr an, übersah Ampeln und Stoppschilder, sah nur die Bahn und meine Spur und ab und an wieder ein paar Menschen an Busstationen und Tankstellen.

Und weiter bis hinauf an den äußeren Gürtel der Stadt: Aus den schwermassiven Häuserblocks wurden backsteinerne Gebäude, deren Firste sich auflösten zu Bauten mit Himmelsetagen, ganze Stockwerke schienen sich zu entheben und ja so wollte ich immer sein rauschend vorbei an einzelnen Punkten, die erst zu existieren begannen, wenn man stehen blieb, um abzusteigen vielleicht und sich umzuschauen, zu sprechen und zu verstehen wie jemand sagte: Wir dürfen nicht anhalten, sonst hören wir auf.

Gerade eben noch hatten sich ganze Jahre in eine Bewegung einbetten lassen, oder auch zwei, ich wusste es nicht mehr, schon war die Vergangenheit verwischt von der Erinnerung und zu etwas Fremdgebautem umgestaltet, wo von der Sonne ganz staubige Ähren in der Dunkelheit standen und erste Sandufer und ein Elbdeich sich abzuzeichnen begannen. Dort stand ich vor dem stahldunklen Himmelsgrund und lauschte dem Echo durch das Geäst von Pappeln natürlich und mit den Füßen zwischen Heidekraut.

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